Sibirien - Perlen im Schlamm
Posted by HELPer in HELP Philippinen, HELP Sibirien

Von Aurelle Bleile, HELP-Drogenreha Omsk. “Eine Bekannte erzählte mir von einem achtjährigen Mädchen, das zusammen mit ihrem Sohn in die zweite Klasse geht und völlig verwahrlost aussieht.
Bei der Abschlussfeier waren alle Kinder schön rausgeputzt, nur dieses Mädchen saß in seinen schmutzigen Kleidern alleine und traurig in einer Ecke. Tagelang ging mir diese Geschichte nach und immer wieder „musste“ ich im Gebet an dieses Kind denken. Also machte ich mich auf zu ihrer Klassenlehrerin, von der ich erfuhr, dass das kleine Mädchen sehr arm ist und es schon eine Hilfe wäre, wenn man ihr Hefte und Stifte besorgen und die Hausaufgabenbetreuung in der Schule bezahlen könnte. Dadurch könnte sie dann die meiste Zeit in der Schule verbringen und auch dort zu Mittag essen.
Am gleichen Tag lernte ich dann die Kleine kennen, völlig verdreckt, mit verfilztem Haar und alten viel zu großen Latschen stand sie vor mir und schaute scheu zu Boden. Meine Bekannte und ich versuchten mit ihrer Mutter zu sprechen. Sie und das Kind wohnen in dem verrufenen Armenviertel hier im Dorf, wo auch noch viele Alkoholikerfamilien leben.

Wir betraten das zerfallene Haus, das eher an einen Stall erinnerte, klopften an der angelehnten Wohnungstür, die sowieso nicht abschließbar war und da keiner öffnete, wagten wir uns hinein. Ein Bild des Schreckens und des Elends breitete sich vor unseren Augen aus. Wir stapften durch Berge von Müll und fanden dann im hintersten Zimmer eine alte Oma in Lumpen in einem Bett liegend. Neben ihr auf dem Boden saß ein nackter Junge von etwa zwei Jahren mitten im Müll, neben ihm eine alte Pfanne mit undefinierbarem Fraß.
Als wir der alten Frau unsere Hilfe anboten, reagierte sie erst ziemlich aggressiv und sagte, dass sie keine Hilfe bräuchte. Völlig bestürzt gingen wir hinaus und riefen beim Jugendamt an. Dort wurde uns mitgeteilt, dass man leider nichts unternehmen könnte, da unsere kleine Freundin ziemlich regelmäßig die Schule besucht und die Mutter auch keine Alkoholikerin sei.
Bei meinem Besuch am nächsten Tag traf ich die Mutter von ihr dann persönlich, bot ihr Hilfe an und nach anfänglichem Zögern willigte sie ein. Zusammen mit Oliver, unserem neuen Mitarbeiter aus Deutschland, und zwei Rehabilitanden machten wir uns mit Schrubber, Besen und Müllsäcken an die Arbeit. Berge von Müll, alte Matratzen auf denen sie schliefen und in denen riesengroße Ratten hausten wurden weggeschmissen.
Der Gestank verdrehte uns fast den Magen, aber nach und nach wurde es besser. Nachdem wir den Dreck entsorgt, die Stromleitungen repariert und alles geputzt hatten, besorgten wir Geschirr, Bettwäsche, neue Matratzen und ein paar gebrauchte Möbel. Das kleine Mädchen, ihr 15-jähriger Bruder und der zweijährige Bruder schauten mit kugelrunden Augen unserem Tun und Treiben zu und riefen schließlich: ‘Jetzt haben wir ja viel mehr Platz als vorher !’
Da es dort kein fließendes Wasser gibt, lud ich die Kleine zu uns nach Hause ein, wo ich sie erstmal in der Badewanne „einweichen“ musste. Inzwischen kommt sie jeden Tag zu uns. Ich habe ihr schöne Kleidung in ihrer Lieblingsfarbe rosa gekauft, war mit ihr im Nachbardorf beim Friseur und aus dem hässlichen Entchen ist tatsächlich ein schöner Schwan geworden!”
Mehr zu HELP-Sibirien und wie es jetzt in dieser Geschichte weitergeht gibt es auf der Website und im neuesten Omsk-Rundbrief. Weiter >>